von Gerhard Schröder
Interessante Einblick mit Hang zur Egozentrik

Nun ja, die Biographie eines Bundeskanzlers und Parteivorsitzenden kann man weder neutral lesen noch beurteilen und um es gleich vorweg zu sagen, ich habe nie SPD gewählt und werde es vermutlich auch nie tun, aber ich anerkenne das Schröder uns aus dem Krieg im Irak gehalten hat und das er die Freundschaft mit Russland wiederbelebt hat, was, wenn man die Geschichte kennt, immer gut für beide Staaten war.

Das Buch ist für mich ambivalent - von "Was für ein egozentrischer Armleuchter" bis hin zu "Aaah, das macht Sinn" - erklärt es viele Dinge aus Sicht von Herrn Schröder und gibt einigen Entscheidungen neue Blickwinkel.

Gestört haben mich die Beschreibung der (zahreichen) Bilder in der dritten Person (sicher eher ein persönliches Lese-Empfinden) da das Buch in der Ich-Form geschrieben ist und die oft vorkommende Bewertung aus dem Jetzt. Ich mag Biographien, die aus der Zeit schreiben, ohne das nach jetztigem Kenntnisstand zu beurteilen; das sollte Historikern vorbehalten sein. Insbesondere die Beschreibung des Irakkriegs war aber für mich sehr interessant, eben auch, weil er die damalige Sicht und Informationslage genau beschrieben hat. Richtig nervig sind solche Episoden wie die, in der er erzählt, daß seine Tochter auch heute noch mit Chirac telefoniert, nach dem Motto: "Ich bin ein armer Arbeitersohn der es zu was gebracht hat" - das ist Mythospflege in Reinkultur.

Alles in allem ein Buch das man als Deutscher gelesen haben sollte, wegen der genannten Mängel würde ich eine 3,5 vergeben und die wird nach deutschen Schulrecht als 4 gewertet.

4 von 5 Brownies - 10 Sätze pro Buch sind genug -



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